Segelflug mit dem Ministerpräsident Oettinger


Lesen sie einen ausführlichen Bericht und sehen sie sich ein paar Bilder an...

Liebe Freunde, Bekannte, Gönner und alle hilfsbereiten Menschen, die diesen Freitag zu einem besonderen Erlebnis gemacht haben,

 

eine einzigartige Chance unseren Segelflugsport in die breite Öffentlichkeit und ins Gedächtnis der Politik zu bringen, durfte ich am Freitag 26.Juni 2009 erleben. Zu verdanken haben wir diesen wunderbaren Spätnachmittag Herrn Landrat Reumann, der Herrn Ministerpräsident Oettinger im März einen Segelflug geschenkt hatte. Anlässlich der Übergabe der Unesco-Urkunde fürs Biosphärengebiet Schwäbische Alb, stattete Herr Ministerpräsident Oettinger Münsingen an diesem Freitag einen Besuch ab.

 

Herr Landrat Reumann hatte geplant, daß ich mit ihm zusammen den Ministerpräsidenten und einen Sicherheitsbeamten vom Flughafen Stuttgart mit unserer Vereins-Schleppmaschine vom Typ "Jodel" abhole. Die Landung sollte wieder auf dem Münsinger Eisberg erfolgen, mit anschließendem Umsteigen in ein Segelflugzeug. Die anschließende Landung mit dem Segelflugzeug würde dann im Alten Lager (dieses alte Militärlager, wurde bereits zu Kaiser Wilhelms Zeiten erbaut und steht unter Denkmalschutz) statt finden.

 

Nun mußte natürlich ein sicheres Landefeld ausgesucht werden. Mit unserem Motorsegler flog ich die Gegend schon vor 10 Tagen ab und schnell fand ich den alten Hubschrauberlandeplatz als geeignet.

 

Thomas Schönmetz, von der Firma EAM im Alten Lager, organisierte die ganzen Abläufe im Alten Lager. Absperrungen und gemähtes Landefeld waren perfekt vorbereitet. Herzlichen Dank an dieser Stelle.

 

Nun war ja noch eine Landeerlaubnis vom Reg.Präs. Tübingen nötig und ich rief Herrn Lauter an.

"Hallo Herr Lauter, ich würde gerne nächste Woche Segelfliegen", sagte ich. "Das tun sie doch öfters, da brauchen sie von mir keine Genehmigung". "Ja, ich werde aber bestimmt nicht wieder auf dem Eisberg landen". "Nun bei Überlandflügen kommt das schon mal vor", entgegnete gleich Herr Lauter." "Gut, ich werde aber im Alten Lager auf dem Hubschrauber Landeplatz landen und unser MP Oettinger sitzt dann mit hinten drin", antwortete ich. - Denkpause - "Na dann ist natürlich eine Landeerlaubnis notwendig", sagte Herr Lauter.

Der Sachbearbeiter auf dem Reg.Präs. Ulrich Fauß rief mich dann später zurück und besprach mit mir, welche Unterlagen und Genehmigungen noch benötigt werden. Völlig unkompliziert wurden diese Formalitäten abgewickelt.

 

Wenn ich nun auf dem Flughafen Stuttgart lande um den MP Oettinger abzuholen und einen solch engen Zeitplan einhalten muss, dann sollte ich doch vorher wissen, wie es am Stuttgarter Flughafen zugeht. Ob man eine Abflugzeit vorbuchen muß, wie die Sicherheitsbläufe sind etc. Als ich am GAT anrief und nachfragte, erfuhr ich daß bei einem Start nach Sichtflugregeln keine Startzeit vorgebucht werden muß. Dann ist das ja alles kein Problem. Aber ich informierte den Wachleiter trotzdem, daß ich am Freitag 26.Juni gegen 16 Uhr 20 den MP Oettinger abholen werde.

 

In den Tagen vor dem Freitag riefen mich dann verschiedene Personen an, Sekretariat Staatsministerium, Reg.Präs. Tübingen, Sicherheitsbeamte des MP und unter anderem das Polizeirevier Münsingen. Aus dem Polizeipräsidium Stuttgart kam ein Anruf, "Herr Schwenk, die Leute an der Flugabfertigung in Stuttgart wissen nichts davon, daß der Ministerpräsident am Freitag kommt?" Ich antwortete, "ja das dachte ich daß es so kommt. Als ich nämlich den Wachleiter diese Woche angerufen hatte um ihm mitzuteilen , daß ich mit unserer "Jodel" den MP abholen werde, dachte der mit Sicherheit das wäre das verrückte Telefon von Radio 7!"

 

Aber nun zum eigentlichen Ereignis. Das Wetter war an diesem Tag sehr gewittrig. Ich hatte bereits sehr früh den Tag beobachtet um den Wetterrhytmus genauestens zu analysieren.

 

Beim ständigen Studieren des Wetters vom Flugplatz Eisberg aus, fiel mir der zerrissene Windsack auf. In unserem Vereinsbüro wartete ein neuer Windsack bereits auf die Montage. Sofort rief ich meine Freunde bei der Münsinger Feuerwehr an, ob sie eventuell noch den Windsack montieren könnten. Die Hilfsbereitschaft hat mich fast umgehauen. In strömendem Regen kamen sie zu Dritt mit der Drehleiter und wir montierten den neuen Windsack für den Ministerpräsidenten - Landrat - Event.

 

Mit Herrn Landrat Reumann war abgesprochen, daß wir planmäßig um 15.15 Uhr auf jedenfall mal starten. Von der Luft aus hatte ich den betroffenen Luftraum besser im Überblick. Welch ein Glück, der gesamte Stuttgarter Wetterraum war frei, nach einem durchgezogenen Gewitter auch weit in Richtung Nord - Ost .

 

Nach meiner Tages - Studie über die zeitliche Entwicklung der Gewitter sagte ich auf dem Flug nach Stuttgart zu Herrn Landrat Reumann, daß wir ohne Probleme in Stuttgart landen und mit Ministerpräsident Oettinger auch wieder starten können.

 

Nach der Landung in Stuttgart rief ich die Sicherheitsleute im Staatsministerium an, daß wir den Ministerpräsidenten auf dem Flughafen Stutgart erwarten.

 

Landrat Reumann und ich mussten noch 40 Minuten warten und nützten die Zeit für die Bezahlung der Landegebühren, die dann doch über 100 € lagen. Da musste ich feststellen, daß mir 1 € fehlte um diese Rechnung zu bezahlen (peinlich!!). Doch Herr Landrat Reumann half mir wie selbstverständlich aus dieser Patsche heraus.

Wir wurden dann in der Flugabfertigung darauf aufmerksam gemacht, daß MP Oettinger in 10 Minuten ankommen wird, weshalb wir durch die Sicherheitskontrolle zurück zu unserer "Jodel" gingen. Die Gespräche mit Herrn Landrat Reumann während unserer Wartezeit vergesse ich nie. Ich bin richtig Stolz darauf, solch einen unkomplizierten Landrat für den Kreis Reutlingen zu haben. Er lobte mich sogar im Namen von Herrn Binsch, Herrn Landrats "rechte Hand", für die völlig unkomplizierte Organisation dieses Vorhabens.

Bei Herrn Landrat Reumann bedankte ich mich herzlich, daß er es uns (dem Luftsport) ermöglicht hat, ein solches Segelflugerlebnis für den Ministerpräsidenten auszurichten.

 

Eine Ehre wäre es natürlich auch, daß wir Schwenks ihm mal einen Anzug verkaufen dürften, was er sofort bejahte.

 

In der Zwischenzeit bereiteten die Mitglieder des Luftsportvereins Münsingen Eisberg die Dimona als Schleppflugzeug und die K 2b als Shuttle für unseren Ministerpräsidenten vor. Den Vereins - Duo zu verwenden war bei dieser Wetterlage nicht möglich. Die Kurzlandeeigenschaften der K 2b waren für diesen Tag besser geeignet.

 

Währenddessen ließ ich das Wetter auf der Alb natürlich nicht aus den Augen. Von Stuttgart aus konnte man sehen wie sich das Gewitter in Richtung Münsingen entwickelt. Ich erkannte aber, daß es nach Westen weiterzieht und es nach 20 bis 30 Minuten bestimmt im Münsinger Becken wieder absolut frei von Regen sein würde.

 

Die Augen der Flugkapitäne der umherstehenden Business Jets werde ich nie vergessen, als die gepanzerte Limousine mit Ministerpräsident Oettinger vor unsere kleine "Jodel" fährt und er diese nicht nur besichtigt, sondern auch noch mit ins Flugzeug einsteigt!

 

Dieses Vertrauen in mich als Zivilperson, das bei den heutigen Sicherheitstandards wirklich eine Seltenheit ist, hat mich zutiefst beeindruckt.

 

Der Flug führte dann von Stuttgart aus direkt über Bad Urach nach Gruorn und das ALTE LAGER (unserem Segelfluglandeort), zurück zu unserem Münsinger Eisberg.

 

Die Flugroute über unseren Landeort machte ich natürlich vor allem auch um zu sehen, ob dort alles okay ist und ob es auch tatsächlich nicht mehr tröpfelt. Es war regenfrei, nur am Eisberg tröpfelte es noch ganz leicht. Mit einer klassischen Schleppgaslandung setzte ich unsere Jodel so sanft wie möglich mit unserer wertvollen Fracht auf. Mein Kommentar war: "Wissetse Herr Oettinger, des isch a gmähts Wiesle!"

 

Viele Vereinsmitglieder, Bekannte und Schaulustige waren vor Ort, als unsere jüngste Flugschülerin Christina Ziegler das DUO Segelflug Standmodell von der Firma Schempp Hirth aus Kirchheim/Teck für den Schreibtisch vom Ministerpräsident auf ihre sehr charmante Art überreichte.

 

Anschließend legten wir die Fallschirme an und zum ersten Mal saßen zwei Männer in Anzügen mit Krawatte in einem Segelflugzeug auf dem Münsinger Eisberg. Herr Ministerpräsident Oettinger kommentierte, daß dieses alte Flugzeug K 2b ja jünger sei als er.

 

Der Flugzeug-Schlepp mit der Dimona erfolgte nach dem Gewitter in sehr ruhiger Luft . Nach 10 Minuten F- Schleppzeit klinkte ich aus.

 

Unten am Landeort stehen schon die Pressejournalisten, die Kameras und vor dem Casino stehen erwatungsvoll die illustren Gäste aus vielen Regierungs- und Verbandsebenen unseres Landes und Europas. Eine so große Persönlichkeit hinter mir im Cockpit, verfolgt von den Medien erfordert eine Präzision bei der Landung, die sich gewaschen hat.

 

In einem großen Bogen fliege ich über das Gelände , damit Herr Ministerpräsident Oettinger nochmal alles in Ruhe von oben betrachten kann. Ich habe natürlich ständig die Höhe im Verhältnis zum Landeort im Auge, der sich ja auf einer kleinen Anhöhe über dem Kasernengelände Altes Lager befindet. Nach einem Blick auf die Uhr wird es jetzt Zeit für die Landung. Ich drücke die K 2b ganz sanft nach vorne um die Geschwindigkeit zu erhöhen. In einer Linksplatzrunde fliegen wir so an, daß alle, die am Landeort stehen, den Anflug genau verfolgen können. Ich nehme die Fahrt zurück, damit die optimale Anfuggeschwindigkeit erreicht wird. Der Wind kommt leicht von rechts. Die K 2b folgt mir genau so, wie meine Frau beim Tanzen, so hat man es doch gern ! Die K 2b setzt sich sanft auf den Rasen, jedoch ist das Landefeld nicht ganz so glatt wie auf einem richtigen Fluggelände. Herrn Minsiterpräsident Oettinger habe ich natürlich auf einen wunderbar weichen stoffüberzogenen Weichschaumstoff sitzen lassen, damit die Bodenwellen sanft abgefedert werden. Mein Bruder Dieter Schwenk mit unseren Söhnen erwartete uns bereits mit dem Anhänger für das Segelflugzeug am Ausrollort und ich konnte die K 2b so zum Stillstand bringen, daß Dieter den rechten Tragflügel vor dem Ablegen auffangen konnte.

 

Elegant steht die K 2b da.

 

Bevor Herr Ministerpräsident und ich die Hauben öffnen, kommt in mir eine riesen Freude darüber auf, daß die Landung , die Flüge so perfekt geklappt haben. Gott sei Dank ! Sofort rannten die Journalisten und Kameraleute auf das Cockpit zu. So eine Ehre, hier dabei zu sein denke ich.

 

Komisch, aber mir fiel in diesem Moment Wolf Hirths 12. Gebot ein :

 

Man muß euch Segelflieger nicht nur an den weißen Möwen auf blauem Grunde erkennen, sondern an dem helleren, freieren Blick, der immer hilfsbereiten Kameradschaft, dem völligen Mangel an Eitelkeit und kleinlicher Gesinnung. Dann werdet ihr euch überall unter den Völkern finden und verbinden, werdet ihr der Anfang eines neuen Adels sein und zugleich die ersten Bürger einer freien, friedlich vereinigten Welt.

 

Ich durfte eine historische Landung im Biosphärengebiet mit einem Segelflugzeug unter den Augen der Öffentlichkeit und so auch den friedvollen Geist des Segelfluges, den Wolf Hirth trefflich beschreibt , durchführen.

 

Leider stand das politische Thema Mehrwertsteuererhöhung sofort im Vordergrund, die Interviews hatte nur noch dieses Thema. So blieb ihm keine Zeit seine Flugerlebnisse sofort zu kommentieren.

 

Demokratie, die ich ja auch seit 10 Jahren im Gemeinderat erlebe , hat zum Teil auch etwas brutales an sich. Anders zu denken, quer zu denken und öffentlich zu formulieren ist in unserer Demokratie auch nicht so einfach möglich !

 

Dennoch sind die Bilder der Landung eines Segelfluzeuges im 3. Programm und im ZDF in den Nachrichten zu sehen gewesen.

 

Eine sehr festliche Veranstaltung fand anschließend im Casino des Alten Lagers anlässlich der Urkunden Übergabe der UNESCO für das Biosphärengebiet Münsingen an Herrn Ministerpräsident Oettinger statt. Mein Bruder Dieter und ich durften mit dabei sein. "Ha des hot ons vielleicht g`freit !"

 

Herr Ministerpräsident erwähnte gleich zu Beginn seiner Rede den wunderbaren Flug von Stuttgart nach Münsingen und den besonderen Segelflug mit Einschweben hier ins Biosphärengebiet.

 

Diese Art zu Fliegen hat ihn sehr beeidruckt. Während unseres gemeinsamen Segelfluges ins Alte Lager bat mich Herr Ministerpräsident Oettinger, Herrn Landrat Reumann und Herrn Landtagsabgeordneten Röhm zu beauftragen,einen Termin zu ermöglichen, daß er mit mir nochmals "richtig" Segelfliegen gehen kann. So einem Wunsch komme ich mit großer Freude nach.

 

 

Ganz herzlich möchte ich mich bei allen Helfern und Helfershelfern, den Institutionen auf allen Ebenen für die unglaublich unkomplizierte Hilfsbereitschaft, auch in letzter Minute, bedanken. Besonders der Luftaufsicht in Stuttgart danke ich für ihr Verständnis und ihr Erkennen, daß ich doch au a bißle aufgregt war.

 

Mein besonderer Dank an Herrn Landrat Reumann für diese unglaubliche Idee.

 

Man kann auf unser Land mit ihren Menschen wahrlich Stolz sein.

 

Wir habens demnach einfach drauf !!!

 


Uli Schwenk

 

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Ankunft auf dem Eisberg mit der Jodel.
Die Stimmung im Cockpit ist super!
Uli und Ministerpräsident Oettinger verstehen sich prima.
Der Ministerpräsident erhält das Tischmodel des Duo Discus der Firma Schempp Hirth von Christina.
Der MP wird ordentlich verpackt.
Bei leichtem Regen erfolgen die letzten Startvorbereitungen.
Die Ka 2b ist startbereit!




Posted by: Max